1. Werde dir deiner eigenen Position bewusst.
Wenn es mal wieder scheppert, atme tief ein und aus! Bei Bedarf wiederhole die bewusste Atmung bis deine erste Wut verflogen ist.
Zugegeben, das klingt banal, vielleicht auch ein bisschen albern, aber es funktioniert:
Du bist erwachsen und dazu in der Lage, die eigenen Gefühle und Gedanken zu reflektieren und oft auch zu regulieren. Dir wird es viel einfacher fallen deinen eigenen Standpunkt zu überdenken als deinem Kind.
Das kindliche Gehirn und seine Vernetzungen sind noch in der Entwicklung. Von Zeit zu Zeit, insbesondere je näher die Pubertät rückt, kommt es zu regelrechten Kurzschlüssen.
Du verstehst plötzlich dein eigenes Kind nicht mehr. Dein Kind aber versteht sich gerade selbst wahrscheinlich auch nicht. Es ist noch nicht dazu in der Lage, die eigene Position so zu überdenken wie ein Erwachsener.
Natürlich sollst du deinem Kind nicht alles durchgehen lassen. Lernen ist immer mit Anstrengung verbunden und wird auch dein Kind viel Energie kosten. Das darf auch so sein und auch dein Kind darf sich anstrengen.
Keine Lust oder echte Verständnisprobleme?
Aber jetzt mal ehrlich: Wir alle kennen auch die Strategien, um uns unangenehme Dinge zu ersparen! Als Kind hatte ich nahezu 100 Strategien, um mich einer ungewünschten Lernsituation zu entziehen:
"Okay. Ich muss die Textaufgabe in Mathe verstehen und rechnen. Ich habe aber überhaupt keine Lust mich anzustrengen oder ich verstehe die Aufgabe sowieso nicht.
Ich stelle mich einfach ein bisschen dumm und warte auf Mamas Erklärung inklusive Lösung. Perfekt. Beide glücklich."
Mein 7-jähriges Ich hat dann einfach auf Mamas Erklärung samt Lösung gewartet, um dann völlig unschuldig zu antworten: "Ahhh, ach sooo. Jaa. Jetzt habe ich es verstanden. Danke, Mama."
Kinder sind wirklich wahre Meister darin, ihre Eltern an der Nase herumzuführen. ;)
Du als Elternteil bist also genauso schlau wie vorher und gelernt hat hier niemand etwas.
Aber wie kannst du dann sicher merken, dass dein Kind trotz Anstrengung wirklich nicht weiterkommt?
Stelle Rückfragen, um wirklich sicher zu gehen, ob dein Kind Verständnisprobleme oder schlichtweg keine Lust hat. Kinder die wirklich nicht weiter wissen, zögern mit ihrer Antwort und schauen nach oben, so als ob sie versuchten, die Lösung in ihrem Kopf zu suchen.
Hier nützt es dann auch überhaupt nichts zehn verschiedene Erklärungen anzubieten, denn dein Kind ist bereits seit dem ersten Versuch nur noch körperlich anwesend. Ein Konflikt ist hier vorprogrammiert: Deine gut gemeinten Bemühungen treffen auf pure Frustration. Eine explosive Mischung.
Zeig an dieser Stelle Verständnis und lösen die unangenehme Situation auf, indem du eine Pause anbietest.
2. Qualität vor Quantität.
Zehn bis fünfzehn Minuten intensive Aufmerksamkeit sind effektiver als halbherzige 30 Minuten.
Das gilt übrigens für dich und dein Kind. Es hilft niemandem, wenn in einer Lernsituation nur halb zugehört wird oder die Gedanken ganz woanders schwirren.
Nebenbei wird der Tisch gedeckt, die Suppe umgerührt, das Hausaufgabenheft gesucht, schnell noch ein Kaffee gekocht usw.
Eine scheinbar unendliche Liste an Störfaktoren und Ablenkungen, die zu vielen Dingen, aber nicht zu effektivem Lernen führen.
Nachdem dein Kind ein Thema für 15 Minuten intensiv bearbeitet hat, ist es Zeit für eine kurze Pause. Jetzt darf es sich gerne 2-3 Minuten anderen Dingen (ABER kein Medienkonsum) zuwenden, etwas trinken und sich bewegen.
Im Anschluss wird das Gelernte wiederholt. Kurze Wiederholungssequenzen lassen sich prima in den Alltag einbauen und sind sehr effektiv.
Unser Gehirn liebt Wiederholungen und es erstellt dadurch immer mehr Verknüpfung mit bereits vorhandenem Wissen. Außerdem werden die Inhalte gut verankert.
Also, erinnere dein Kind daran, die Inhalte zu wiederholen....
...beim Spülmaschine ausräumen,
...während des Zähneputzens,
...auf der Hunde-Gassi-Runde.
...
3. Vermeide Medienkonsum nach einer Lernphase.
Du möchtest natürlich, dass sich dein Kind unmittelbar gut fühlt, wenn es eine anstrengende Lernphase oder seine Hausaufgaben gemeistert hat. Das ist wunderbar!
Schicke es eine Runde an die frische Luft, nimm dir Zeit für ein gemeinsames Essen oder einen Powernap.
Das Gehirn braucht einige Zeit, um neu Erlerntes dauerhaft abrufbar zu verankern. Und weil unser Gehirn mit Bildern arbeitet, ist jeglicher Medienkonsum im Anschluss an eine Lernphase zu vermeiden. Die vielfältigen visuellen und auditiven Reize auf Social Media oder im Fernsehen überfordern das Gehirn. Wichtige Informationen können nicht entsprechend abgespeichert werden. Das Lernen war umsonst.
Wenn du jetzt denkst, "Mein Kind? Ein Spaziergang an der Luft? Mittagsschlaf? Niemals! ", dann erkläre im bitte, was in einem Gehirn passiert, wenn es vor dem Fernseher oder dem Handy geparkt wird.
Es darf ja fernsehen, nur eben später als ursprünglich gewünscht.
Dein Kind darf und sollte sich auch übrigens gerne eine Runde langweilen. Langeweile fördert die Kreativität!
4. Weg mit den negativen Glaubenssätzen!
„Ich kann das nicht.“
„Mathe werde ich niemals verstehen.“
"In unserer Familie sind alle schlecht in Mathe. Das ist vererbt."
„Ich bin zu dumm.“
„Grammatik konnte in unserer Familie noch nie jemand.“
Usw.
"Ich kann das nicht" ist meine persönliche Nummer 1. Ungelogen jedes Mal, wenn ich vor einer neuen Herausforderung stehe, kommt da dieser Satz um die Ecke und will mich davon abhalten, Neues auszuprobieren. Und ja, wenn ich es nicht ausprobiere, dann kann ich es auch wirklich nicht!
Jeder kennt diese negativen Glaubenssätze. Ich. Du auch. Und dein Kind leider auch schon.
Das Blöde ist, dass solche Glaubenssätze nicht selten zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. Sie werden zu unserer Wirklichkeit. In ganz schlimmen Fällen ist das Selbstwertgefühl irgendwann völlig hinüber, weil man wirklich der Meinung ist, nichts zu können.
Negative Glaubenssätze blockieren uns.
5. Lobe, aber lobe richtig!
Jeder Mensch sucht nach Anerkennung und wünscht sich echte Aufmerksamkeit für die eigene Person. Ein Ernst gemeintes Lob ist dann eine wahre Streicheleinheit für das Ego und die Seele.
Lobe die Qualitäten und Anstrengungen deines Kindes statt ein Endergebnis und lobe unmittelbar! Lobe dein Kind, wenn es sich angestrengt und gelernt hat, egal wie das Ergebnis aussieht. So signalisierst du, dass du es siehst. Du nimmst dein Kind wahr und ermutigst es auf diese Weise!
Schenke deinem Kind Anerkennung, wenn es sich trotz massiver Abneigung gegen Mathe an den Schreibtisch setzt und Formeln paukt. Sage ihm, wie großartig es das macht und, dass du seinen Willen bewunderst.
Anerkennung und Ermutigung dienen als Balsam für die Seele und sind unglaublich motivierend:
Ich erkenne an, was du geleistet hast und halte es nicht für selbstverständlich. Ich sehe dich! Ich sehe was du bereits kannst und ich sehe deinen Fortschritt!
Im besten Fall können durch Ermutigungen negative Glaubenssätze aufgebrochen werden!