Konzentration und Leidenschaft
Wir sind uns wohl alle einig, wenn ich sage, dass die Fähigkeit sich zu konzentrieren eine sehr wichtige Sache für die Schule und auch für das ganze Leben ist.
Es ist so schön, wenn man damit absolut keine Probleme hat. Dazu kann ich nur jeden einzelnen wirklich beglückwünschen! Also, sollte das bei dir oder deinem Kind so sein, dann wirklich, ich freue mich 1000fach für dich.
Warum?
Weil ich wirklich aus eigener Erfahrung und zu 100 Prozent nachvollziehen kann, wie es ist, wenn man sich nicht so gut konzentrieren kann. Nein, eigentlich muss es heißen, wie es ist, wenn jemand seine Aufmerksamkeit nicht mehr gezielt lenken kann. Pah. Furchtbar. Weil ganz ehrlich, ich weiß dass ich mich an der ein oder anderen Stelle besser konzentrieren sollte - das wissen alle die Schwierigkeiten damit haben.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man lieber das Eichhörnchen im Baum beobachtet statt die Fragen des Prüfers zu beantworten. (Worst case, oder)
Ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man in einem langweiligen Gespräch gefangen ist und alles hört, nur nicht mehr die Worte des Gesprächspartners.
Und Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man alles sieht und aufnimmt, aber nicht das, was wirklich wichtig ist…
Und Gott sei Dank: ich durfte im meinem Leben die Erfahrung machen, dass diese Situation zu ändern ist. Es gibt Wege…aber ebene andere als für Menschen, die mit der Konzentration weniger Probleme haben.
Und jetzt merke ich gerade, dass diese Folge ziemlich persönlich wird. Und keine Ahnung ob es klug ist als Lerntherapeutin zuzugeben, dass der eigene Weg zur Fähigkeit Konzentration ein steiniger war und teilweise auch immer noch ist. Aber hey. So bleibt es hier authentisch und vielleicht kann der ein oder die andere auch ein wenig Mut und Hoffnung aus dieser Folge schöpfen.
Nun denn, um zum Titel der Folge zurückzukommen: Wie spielt nun die Leidenschaft eine Rolle? Dazu möchte ich dir gerne einen Schwank aus meiner Jugend erzählen:
Meine Schulzeit war schwierig. Warum? Weil ich gefühlt die Hälfte nicht mitbekommen habe---echt jetzt. Kein Scherz.
„Offen wie ein Scheunentor“
Meine Antennen waren wirklich immer woanders.
Ich saß so oft einfach da und habe alles gesehen und aufgesogen:
Zum Beispiel hatte ich diese Englischlehrerin (und die gab es wirklich!) mit einem sehr extravaganten coolen Kleidungsstil, immer schick und gut zurechtgemacht. Sie hatte diese tollen Pumps in Zeitungspapieroptik, einen durchsichtigen Regenschirm, einen knallgelben Regenhut - und total schönen Schmuck. Jeden Tag hab ich mich darauf gefreut wieder ihre neusten Accessoires zu entdecken - Und ich haben alles gesehen. Alles!
Aber, was hab ich nicht mitbekommen? Du kannst es dir vielleicht schon denken...Genau, die Inhalte der Englischstunde.
Völlig fehlgeleitete Aufmerksamkeit sag ich dir- und ich wusste mir auch leider nicht zu helfen. Das ging wirklich ziemlich lange so. Und vielleicht kannst du dir vorstellen, was mit meinen Noten passierte und auch meinem Selbstwertgefühl - schließlich blieb meine Unaufmerksamkeit nicht unentdeckt und ich durfte mir den ein oder anderen Kommentar anhören. Das Verhältnis zur Lehrerin wurde auch immer schlechter. (Jetzt bleib mal bei der Sachen, Konzentrier dich endlich, Du musst aufpassen)
Ja, Ich muss aufpassen. Das wusste ich! Aber ich wusste verdammt noch einmal nicht wie!!!
David Beckham, die Beatles und mein Englischunterricht
Bis ich ein paar Jahre später den absoluten Gamechanger für mich entdeckt habe:
Ich habe es geschafft die Inhalte des Englischunterrichts mit meinen Interessen zu verknüpfen. Mit meiner Leidenschaft.
Was ich im Teeniealter nämlich immer schon richtig cool fand waren David Beckham und die Musik der Beatles. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto größer wurde auch mein Interesse an der englischen Sprache, an ihrer Grammatik, es konnte noch so trocken und langweilig sein, ich war voll dabei!...Ich konnte mich sogar für die Inhalte der Boston Tea Party begeistern und war Feuer und Flamme für jede Ortsbeschreibung Londons oder Liverpools. Richtig on fire war ich.
Ich habe mir sogar eine DVD der Beatles gekauft, die es damals nur in Originalton nämlich in englischer Sprache gab und mich reingearbeitet in die Materie als gäbe es keinen Morgen.
Ich war so hochkonzentriert in allen Bereichen, die Englisch auch nur irgendwie berührt haben.
Englisch entwickelte sich in dieser Phase meiner Schulzeit zu meinem absoluten Lieblingsfach und auch stärksten Fach.
Interessen, Stärken und Ziele
Wenn wir es schaffen auch unliebsame Aufgaben irgendwie mit unseren Interessen, Stärken oder unserer Leidenschaft zu verknüpfen, dann gibt es auch kein Problem mehr oder zumindest deutlich weniger Schwierigkeiten mit der Konzentration. Man kann sich intrinsisch motivieren.
Sollte sich doch einmal die ein oder andere unkonzentrierte Phase einschleichen, dann wahrscheinlich weil du schon zu lange am Projekt sitzt und eine Pause brauchst.
Wenn wir wirklich für etwas brennen, dann können wir Berger versetzen.
Wie kommen wir dahin?
Zunächst einmal ist es sicherlich hilfreich, wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind und auf unsere innere Stimme, unser Herz hören. Und wirklich in uns reinfühle,
Was will ich eigentlich?
Wofür brenne ich?
Was ist meine Leidenschaft?
Was macht mir wirklich Spaß?
Was sind meine Stärken?
Was kann ich gut?
Sinnvoll ist es natürlich auch, sich gewisse Ziele zu setzen die mit den eigenen Interessen in Verbindung stehen.
Worauf arbeite ich eigentlich hin?
Was möchte ich in den nächsten Wochen erreichen?
Was in drei Monaten?
Im ganzen Jahr?
Habe ich einen Traum?
Keine Frage: Ein Kind stellt sich diese Fragen nicht. Aber wir als Eltern, du als Mama, du als Papa: Du kennst dein Kind gut und kannst es ermutigen, bestärken und unterstützen.
Dieses Erlebnis mit dem Schulfach Englisch jedenfalls war und ist mir Beweis genug, dass ich mich grundsätzlich gut konzentrieren kann und dass ich, wenn es mir gelingt mein Interesse zu wecken, meine Leidenschaft zu bedienen, dass ich dann zu enormen Leistungen fähig bin.
Und das ist im Übrigen auch das, was Eltern mir immer wieder berichten, dass ihre Kinder, die eben eher zu Konzentrationsproblemen neigen, wenn sie wirklich einmal Blut geleckt haben, zu Großartigem im Stande sind und sich sehr, sehr gut konzentrieren können.
Ich möchte dir, falls du oder dein Kind betroffen bist, mit dieser Folge Mut machen: Es gibt einen Weg zur Konzentration. Für jeden von uns.
Deine Ablenker kennen
Für den Beginn ist es übrigens sehr hilfreich, wenn man seine Ablenker kennt. Ablenker können zum Beispiel Gerüche oder auch Gefühle sein und sie stören die Konzentration ganz empfindlich.
Meine Ablenker zum Beispiel sind definitiv Fenster und alles was an ungewohnten Geräuschen hinzukommen kann, ungewöhnliche Kleidungsstile und mein absoluter Top-Ablenker:
Neue Einrichtungsgegenstände und Deko. (Hihi) Am besten konzentrieren kann ich mich also in mir sehr gut bekannten Räumen und auf keinen Fall in einer Uni-Bibliothek.
Überlege doch einmal, was die Ablenker deines Kindes sind…
Kennst du eigentlich schon mein brandneues Freebie?!
In 10 Schritten zu mehr Konzentration für dein Kind.
Du kannst es dir unten direkt runterladen: Hier findest du praxisnahe und alltagstaugliche Tipps und im letzten Schritt eine kleine Konzentrationsübung, die wirklich mega viel Spaß macht und außerdem auch noch eine Checkliste, sodass du easy alles abhaken kannst, was du erledigt hast.