Die Schule ist in in Wahrheit kein Ort an dem Konzentration besonders gestärkt werden kann
Das Umfeld Schule macht es Menschen mit Konzentrationsschwierigkeiten aus mehreren Gründen schwer:
1. Die Umgebung Schule im Allgemeinen (Eindrücke, Lautstärke)
Schulen sind eigentlich keine guten Orten, wenn es darum geht, die eigene Konzentration zu verbessern, weil hier einfach zu viele Eindrücke auf uns zukommen. Das sind zunächst natürlich andere Kinder, aber auch Dinge wie wechselnde Klassenräume und damit einhergehende Veränderungen der Einrichtung. Das kann für einige Kinder zur Herausforderung werden. Bei mir zum Beispiel war das so und ist es noch. Grundsätzlich können natürlich auch im Klassenraum Spiele etc. herumstehen, die ablenken können aber nicht müssen. Meistens gewöhnen sich Kinder daran sehr schnell, sodass hier eigentlich kein zu große Ablenkung passiert. Außerdem macht es ein Klassenzimmer etwas wohnlicher bzw. kindgerechter.
2. Die Klassenstärke
Die Klassengröße ist natürlich auch ein entscheidender Faktor in Sachen Konzentration: Zum einen sind größere Klassen tendenziell auch etwas lauter und unruhiger. Es kommt aber noch ein viel größerer Faktor hinzu, nämlich die anderen Kinder. Je heterogener die Klassen sind, also je unterschiedlicher die Zusammensetzung der Kinder und Personentypen, desto mehr Emotionen und unterschiedlichen Bedürfnisse schwirren so durch den Raum. Viele Kinder bedeutet viele Emotionen.
Das ist ein Umstand mit dem Kinder erst umzugehen lernen müssen. Das dauert ein Weilchen. Insbesondere für sehr sensible und empathische Kinder ist das jedoch erst einmal eine große Herausforderung.
Trotzdem halte ich es für gut, dass Kinder in heterogene und inklusiven Klassen lernen, weil es ein Trugschluss ist, von etwas auszugehen, dass sich im Normalbereich bewegen könnte.
Individualität ist das neue normal und das war es eigentlich immer.
Was kannst du tun?
In Stillarbeitsphasen sind Mickey Mäuse (Ohrenschützer) eine Option. Das sollte dein Kind einfach ausprobieren dürfen. Bespreche das vorab aber bitte unbedingt mit der jweiligen Klassenlehrerin.
Bezüglich der Emotionen anderer Kinder ist es wichtig hier wirklich offen mit deinem Kind darüber zu sprechen und seine Fragen zu beantworten.
3. Stundenplan/ Lehrplan
Hier liegt einen ganz besondere Problematik bezüglich Schule und Konzentration, denn Konzentrationsphasen lassen sich nicht in einen Stundenplan pressen!
Es passiert gar nicht so selten, dass Kinder es erst zum Ende einer Stunde schaffen in die Konzentration einzutauchen - nur um dann wenige Minuten später durch das Ende der Schulstunde wieder herausgerissen zu werden.
Das ist der Konzentrationsfähigkeit im Allgemeinen nicht zuträglich. Hier werden immer wieder auch ungünstige Signale gesendet: Du musst nur bis zum Ende der Stunde aushalten, dann bist du erlöst.
4.Lerninhalte
Unser Gehirn hat richtig was drauf. Es entscheidet also auch fast ganz automatisch, was es wichtig findet und was nicht. Und zwar innerhalb weniger Sekunden. Das muss es auch, sonst könnten wir in einer so reizüberfluteten Welt keinen Schritt geradeaus laufen.
Das ist unwichtig, das kann weg. Das ist unwichtig, brauche ich nicht. Das ist langweilig, verfolge ich nicht weiter. Das ist nicht zielführend, weg damit. Unser Gehirn filtert dauernd.
Manchmal passiert es dann, dass auch Lerninhalte nicht durch unseren Filter im Gehirn kommen.
Unser Gehirn will sie einfach für nicht wertvoll erachten, weil sie langweilig sind. Das wird in der Schule immer wieder passieren. Trotzdem müssen Kinder irgendwann lernen, dass sie da durch müssen. Denn sind wir mal ehrlich, Inhalte die uns nicht interessieren werden uns immer wieder begegnen. Ausbildung, Uni, Job.
Je früher wir hier also ansetzen, desto schneller wird es einem Kind gelingen sich daran zu gewöhnen. Natürlich ist es immer eine gute Idee einen Lebensweltbezug herzustellen und das Interesse fürs Thema zu wecken. Das klappt aber nicht immer.
In diesem Fall hilft es uns die Motivation anders zu wecken und zwar durch Zielsetzungen. Es gibt die intrinsische Motivation, also aus uns selbst heraus und die extrinsische Motivation, zu Beispiel durch äußere Anreize. Beides hat eine Daseinsberechtigung.
Die intrinsische Motivation ist jedoch deutlich zu bevorzugen.